Die Debatte um die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Während CDU und FDP bereits öffentlichkeitswirksam die schnelle Übernahme ins Landesjagdrecht fordern, warnen wir vor Symbolpolitik, die Weidetierhalter*innen nicht schützt und den Artenschutz untergräbt.

Wolf ins Jagdrecht ist Symbolpolitik
„Dieser Gesetzentwurf löst kein einziges Zaunproblem und bringt keine einzige zusätzliche Schutzmaßnahme – er verschiebt Zuständigkeiten, aber keine Realität“, erklärt Wolfgang Aldag, umweltpolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion. „Wer echte Lösungen will, sorgt für praxistauglichen Herdenschutz, schnelle Hilfe vor Ort und klare Regeln zur gezielten Entnahme einzelner Problemtiere.“
Die Erfahrungen in Sachsen-Anhalt belegen, dass dieser Ansatz wirkt: Die Zahl der Übergriffe auf Nutztiere geht zurück, das Wachstum der Wolfspopulation ist moderat – das zeigen die aktuellen Monitoring-Daten des Landes. Aldag: „Wir sehen, dass konsequenter Herdenschutz in Verbindung mit fachlich fundiertem Wolfsmanagement funktioniert. Wer das ignoriert, betreibt Ablenkung statt Artenschutz.“
Kritisch sehen wir auch die im Bundesgesetzentwurf vorgesehene Jagdzeit von Juli bis Oktober. „In dieser Zeit sind Wolfswelpen oft noch auf ihre Eltern angewiesen. Eine Jagd in dieser Phase gefährdet gezielt Jungtiere – das ist weder weidetiereffektiv noch artenschutzkonform“, so Aldag.
Besonders scharf kritisieren wir Forderungen aus CDU-Kreisen, die eine willkürliche Obergrenze wie „ein Wolf pro 1.000 Quadratkilometer“ ins Spiel bringen – ein Modell, das in Sachsen-Anhalt faktisch auf eine Ausrottung hinausliefe. Aldag warnt: „Solche Vorschläge ignorieren wissenschaftliche Erkenntnisse und gefährden einen verantwortungsvollen Artenschutz. Wer glaubt, Akzeptanz lasse sich mit Abschusszahlen erzwingen, hat Herdenschutz nicht verstanden.“
Stattdessen plädieren wir für einen Ansatz, der Sicherheit im Wandel bietet – für Mensch, Tier und Natur: durch gezielte Prävention, rechtssichere Entnahme in Einzelfällen und den Erhalt funktionierender Rudelstrukturen.
„Pauschale Bejagung ist keine Lösung – sie kann das Problem sogar verschärfen“, betont Aldag. „Wenn Leittiere ohne klaren Grund getötet werden, zerfallen Rudelstrukturen, und das Risiko von Übergriffen steigt. Wer echten Weidetierschutz will, muss in das investieren, was wirkt – und nicht in das, was Schlagzeilen macht.“