Integrationskurse wurden Anfang der 2000er Jahre als Antwort auf die Versäumnisse der 90er Jahre eingeführt und zur Erfolgsgeschichte. Über vier Millionen Menschen hätten bundesweit teilgenommen. Sie seien Brücken in die neue Heimat und machten aus Fremden Mitbürgerinnen und Mitbürger. „Wer jetzt Kursplätze zusammenstreicht, sägt an einem tragenden Pfeiler der Integration“, erklärte Sziborra-Seidlitz.
Zur Blockade der freiwilligen Teilnahme nach § 44 Absatz 4 Aufenthaltsgesetz sagte sie: „Hier wollte ein Bundesinnenminister bar jeder fachpolitischen Vernunft rechts blinken, ein Lehrstück dafür, wie man kopflos Rechtsextremen hinterherrennt.“ Die Fachwelt schüttle den Kopf, Rechtsextreme klatschten Beifall, und „dass ein Bundesinnenminister diesen Beifall sucht, macht mich fassungslos“, so Sziborra-Seidlitz.
Wirtschaftlich sei das kurzsichtig. Man spare vielleicht 3.000 Euro pro gestrichenem Kursplatz, die Kosten gescheiterter Integration seien ein Vielfaches. Im Fachkräftemangel treffe jeder gestrichene Sprachkurs die wirtschaftliche Zukunft.
Für das Flächenland Sachsen-Anhalt drohten zusätzliche Schäden, wenn Kurse nur noch in den Zentren stattfänden und der ländliche Raum abgehängt werde. Das sende das Signal, Teilhabe sei verhandelbar. Besonders Frauen mit Migrationsgeschichte und freiberufliche Lehrkräfte litten, wenn Kurse wegbrechen und Beschäftigung prekär bleibt.
Sziborra-Seidlitz fordert verlässliche Kurse, ausreichende Mittel und eine Landesregierung, die sich in Berlin hörbar vor Menschen mit Migrationsgeschichte stellt. „Vom Ankommen zum Bleiben, das ist unser grüner Anspruch“, sagte sie. Integration müsse als Investition in demokratische, soziale und wirtschaftliche Stärke verstanden werden.
