18.08.2026

Tierwohl darf nicht bei 30 Grad enden

Frederking fordert Hitzeschutz zum festen Bestandteil des Umbaus der Tierhaltung

Die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage von Dorothea Frederking macht den Handlungsdruck für Hitzeschutz bei Nutztieren deutlich. Während der Hitzeperiode Ende Juni wurden den Veterinärbehörden erhöhte Tierverluste vor allem bei Geflügel und Schweinen bekannt. Einen Zusammenhang mit der extremen Hitze bezeichnet die Landesregierung als naheliegend. In einigen Fällen wurden wegen des Verdachts auf Tierschutzverstöße Verwaltungsverfahren eingeleitet. Ein Fall wurde an die Staatsanwaltschaft abgegeben. Die Landesregierung räumt ausdrücklich Defizite bei bestehenden Stallanlagen und technischen Möglichkeiten ein, die bei Temperaturen von über 40 Grad nicht mehr ausreichen, um Tiere vor der enormen Hitze zu schützen. Hitzebedingte Tierverluste werden vom Land bislang nicht systematisch erfasst und ausgewertet.

Dorothea Frederking, Sprecherin für Landwirtschaft und Tierschutz der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, erklärt: „Mit Temperaturen von über 40 Grad ist eine neue Eskalationsstufe des Klimawandels erreicht. Die Landesregierung bestätigt, dass die landwirtschaftliche Tierhaltung nicht auf diese extreme Hitze vorbereitet ist. Die gemessenen 41,8 Grad in Möckern-Drewitz zeigen, welchen Extrembelastungen Menschen und Tiere inzwischen ausgesetzt sind. Wenn festgestellt wird, dass bestehende Ställe und technische Anlagen bei solchen Temperaturen an ihre Grenzen kommen, darf die Landesregierung es nicht bei dieser Erkenntnis belassen. Jetzt muss sie handeln und die Tierhaltung konsequent auf zunehmende Hitze vorbereiten.“

„Wir müssen den bereits angestoßenen Umbauprozess in der Tierhaltung und den Hitzeschutz gemeinsam denken. Tierhaltung muss immer vom Tier aus geplant werden. Tiere brauchen Platz, Licht, frische Luft, geeignete Liegeflächen, Beschäftigung, Auslauf und Weide. Gleichzeitig müssen Schatten, Wasser, Luftbewegung und eine wirksame Kühlung bei extremer Hitze gesichert sein. Tierwohl und Klimaanpassung gehören zusammen.“

„Für die Weidehaltung nennt die Landesregierung Schattenflächen, Luftzirkulation und eine ausreichende Wasserversorgung als zentrale Herausforderungen. Deshalb müssen wir auch Hecken, Baumreihen und Agroforstsysteme für die Tierhaltung mitdenken und realisieren. In geeigneten Weidesystemen können Gehölze natürlichen Schatten schaffen. Agrarökologische Maßnahmen, die die Landwirtschaft klimaresilienter machen, dienen auch dem Tierwohl. Deshalb fordern wir, dass die Fördergelder der EU gezielt in Maßnahmen fließen, die sowohl eine bessere Bodenfruchtbarkeit fördern und Schutz für Kulturpflanzen bieten als auch für Tiere auf der Weide gut sind.“

„Diesen Umbau dürfen wir nicht allein den Betrieben aufladen. Wir wollen Investitionen in tierwohlgerechte Ställe und deren laufende Bewirtschaftung fördern und dafür eine dauerhafte Finanzierung schaffen. So geben wir den Höfen die wirtschaftliche Perspektive, den notwendigen Umbau zu bewältigen. Unser Ziel ist eine Tierhaltung in Sachsen-Anhalt, die Tierwohl, Klimaanpassung und eine Zukunft für landwirtschaftliche Betriebe zusammenbringt.“

Hintergrund Anhang: KA 8/3904