Dazu erklärt Susan Sziborra-Seidlitz, gesundheitspolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion: „Eine ungewollte Schwangerschaft ist für viele Frauen belastend. Wer dann Praxen abtelefonieren, auf Termine hoffen und weite Wege fahren muss, gerät zusätzlich unter Druck. Gleichzeitig bieten immer weniger Frauenärzt*innen Schwangerschaftsabbrüche an. Mich macht wütend, dass die Landesregierung das seit Jahren weiß und sich auf einer vermeintlich guten Versorgung ausruht. Damit setzt sie die Gesundheit ungewollt Schwangerer aufs Spiel.“
Sziborra-Seidlitz fordert deshalb eine grundlegende Reform: „Schwangerschaftsabbrüche gehören nicht ins Strafgesetzbuch. Ihre Durchführung muss selbstverständlicher und verbindlicher Teil der medizinischen Ausbildung werden. Die Kriminalisierung von Ärzt*innen und Frauen muss enden. Sachsen-Anhalt muss im Bundesrat für diese Reform kämpfen.“
Hintergrundinformationen:
Aktuell verfügen nur noch 27 Fachärzt*innen für Gynäkologie über eine entsprechende Genehmigung. Damit ist die Zahl seit 2017 von 40 auf 27 im Jahr 2026 zurückgegangen. Besonders deutlich ist der Rückgang in den vergangenen eineinhalb Jahren: Vom 1. Januar 2025 bis zum 30. Juni 2026 haben zwölf Ärzt*innen ihre Tätigkeit beendet, lediglich drei haben sie aufgenommen. Das heißt, dass innerhalb der letzten eineinhalb Jahre Sachsen-Anhalt neun Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen können, verloren hat. Der Landesregierung sind zudem nur sieben Kliniken und Praxen bekannt, in denen angehende Ärzt*innen im Rahmen ihrer Ausbildung die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen erlernen können.
