Mehr für Täter-Opfer-Ausgleich sensibilisieren

28.03.2018

Die Täter-Opfer-Ausgleiche in Sachsen-Anhalt waren auf Initiative der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen Thema im Ausschuss für Recht, Verfassung und Gleichstellung. „Der Täter-Opfer-Ausgleich ist ein wichtiges rechtsstaatliches Instrument, das den Interessen und Bedürfnissen des Opfers mehr Raum gibt. Im Vergleich zu einem gerichtlichen Prozess geht es nicht nur um die Frage der Schuld, sondern auch um Verantwortung und Verpflichtung. Dadurch wird das Gerechtigkeitsempfinden aller Beteiligten gestärkt“, sagt Sebastian Striegel, rechtspolitischer Sprecher der grünen Landtagsfraktion.

Mit diesem Schlichtungsprogramm können Täter und Opfer mit Hilfe eines neutralen Vermittlers eigenverantwortlich eine Straftat und deren Folgen aufarbeiten. Die Rückfallquote nach einem Täter-Opfer-Ausgleich liegt bei 28 Prozent, nach einer Haftentlassung dagegen bei 73 Prozent. Außerdem werden mit einem Täter-Opfer-Ausgleich die Gerichte und Staatsanwaltschaften entlastet. „Bei den Staatsanwältinnen und Staatsanwälten in Sachsen-Anhalt muss deshalb von Seiten des Justizministeriums stärker für dieses Instrument geworben werden“, appelliert Striegel.

Die Täter-Opfer-Ausgleiche werden unterschiedlich stark im Land eingesetzt. Die Staatsanwaltschaft in Stendal hat zwischen 2007 und 2017 in 1922 Fällen ein Täter-Opfer-Ausgleich angeregt, in Halle waren es im gleichen Zeitraum nur 566 Fälle. Seit 2012 ist außerdem die Anzahl der durchgeführten Täter-Opfer-Ausgleiche in Sachsen-Anhalt stark zurückgegangen. So wurde im Jahr 2005 in 1373 Fällen ein Täter-Opfer-Ausgleich vorgesehen, im Jahr 2017 waren es nur noch 747 Fälle. „Um die Gründe hierfür zu ermitteln, sollten wir in Zukunft eine differenziertere Ursachenforschung betreiben und die Evaluationsmöglichkeiten von staatlicher Seite ausbauen“, sagt Striegel.

Themengebiete:

Ansprechpartnerin

Mathilde Lemesle
Mathilde Lemesle
Mathilde Lemesle
Referentin für Pressearbeit
0391 5604008