„Voraussetzungen für ein Millionengrab“

09.09.2016

Das Wintersportprojekt in Schierke findet Befürworter und Gegner. Der umweltpolitische Sprecher der Fraktion GRÜNE, Wolfgang Aldag, und der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion, Olaf Meister, beziehen Stellung:

 

Aldag:

„Die Gefahr, dass wertvolle Lebensraumtypen, wie seltene Moorwälder, unwiederbringlich durch das Wintersportprojekt in Schierke zerstört werden, ist groß. Die Schutzgüter Boden und Wasser sind durch die Herstellung von Kunstschnee extrem gefährdet. Die derzeitigen Planungen verstoßen somit gegen geltende Naturschutzrichtlinien. Die Fraktion GRÜNE bezieht aus diesem Grund klar Stellung gegen das Projekt. Wir sind in der Koalition die Stimme, die das Projekt in dieser Form ablehnt. Natürlich aber werden wir mit unseren Koalitionspartnern weiter über das Gesamtprojekt diskutieren und all unsere Bedenken dabei einbringen.“

 

„Der Harz braucht eine Kooperationskultur. Zwischen regionalen und überregionalen Akteuren muss eine Kooperationskultur wachsen. Gemeinsam können sie den Harz als besuchergerechtes, touristisches Angebot entwickeln. Um die breiten kulturellen Angebote der gesamten Region und die einzigartige Natur für den Tourismus konsequent zu nutzen, muss der Harz als Ganzes betrachtet werden. Daher muss die Zusammenarbeit zwischen Nachbarkommunen, Nachbarlandkreisen und Nachbarländern verbessert werden. Die harzübergreifenden Organisationen wie Harzer Tourismusverband oder Harzklub haben das Potenzial, gegenüber den politischen Verantwortungsträgern die erforderliche Lobby zu bilden.“

 

„Freiluftangebote müssen naturverträglich entwickelt werden. Die Umgebung von Schierke zeichnet sich durch eine besondere Natur aus. Sie kann für unterschiedliche Sport- und Freizeitaktivitäten, wie beispielsweise der naturverträgliche Baumwipfelpfad in Bad Harzburg, genutzt werden. Diese Natur müssen wir schützen und pflegen. Nur so erhalten wir einen wichtigen Faktor für die Attraktivität des Harzes. Bei der Entwicklung touristischer Angebote müssen wir die Klimaveränderungen, und die sich daraus ergebenden Prognosen zur Schneesicherheit in den verschiedenen Lagen des Harzes, realistisch einbeziehen. Wintersportangebote, die ohne Schneekanonen und großräumige Naturzerstörung nicht auskommen, lehnt die Fraktion GRÜNE ab.“

 

Meister:

„Der Harz ist das touristische Zugpferd Sachsen-Anhalts. Der typische Skitourismus wird jedoch aufgrund des Klimawandels an Bedeutung verlieren. Die natürlichen Voraussetzungen sind hierfür häufig nicht gegeben. Dies werden auch die geplanten Eingriffe nicht ändern.“

 

„Ich sehe die Gefahr, dass der Hochharz durch das Wintersportprojekt in Schierke für andere touristische Nutzungen, die sich an Landschaft und Nationalpark orientieren, an Attraktivität verliert. Der Tourismusbarometer 2016 der Ostdeutschen Sparkassenstiftung für Sachsen-Anhalt empfiehlt, im Landestourismus künftig mehr auf Qualität als auf Quantität zu achten und die regionale Wertschöpfung zu betonen. Dies zeigt, dass Großprojekte wie das Wintersportprojekt in Schierke für eine nachhaltige wirtschaftliche und touristische Entwicklung eher hinderlich sind.“

 

„Die wirtschaftlichen Risiken der Investoren und vor allem des Landes Sachsen-Anhalt sind enorm. Eine Verdopplung der Besucherzahlen, um die Investitionen in Schierke eventuell rauszuholen, ist unwahrscheinlich. Das Ski-Gebiet in Schierke hat bei gegenwärtiger Planung, gute Voraussetzungen ein Millionengrab zu werden.“

© Andreas Hermsdorf / pixelio.de

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