Autonomes Fahren: Heute Richtung Zukunft lenken

11.04.2019
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Wir wollen die Mobilitätswende so schnell wie möglich erreichen. Wir wollen, dass alle Menschen einfach, sicher, bequem und ökologisch von A nach B kommen. Das autonome Fahren und seine Vorstufe, das automatisierte Fahren, bieten sich als Baustein an, um die Mobilitätswende voranzutreiben. Um genau zu erörtern, wie diese Technologie eingesetzt werden kann, hat unsere Fraktion mit den Bündnisgrünen Landtagsfraktionen Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Insbesondere für Sachsen-Anhalt hat das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung Berlin (WZB) als Autor des Gutachtens die möglichen Entwicklungen für ländliche Regionen untersucht. Denn 80 Prozent der Menschen in Sachsen-Anhalt leben auf dem Land.

Automatisiertes Fahren hat in naher Zukunft großes Potential für den Nahverkehr. Automatisiertes Fahren bedeutet, dass ein Bus allein fährt, ein Fahrer ist aber noch anwesend und kann im Notfall eingreifen. Der Bus fährt erstmal noch wie der normale Linienbus auf festen Strecken. „Genau für die erste und letzte Meile für den Nahverkehr bietet automatisiertes Fahren enorme Chance. Dann holt ein Bus die Menschen von Zuhause ab und bringt sie zum nächsten Bahnhof. Nahverkehr wird damit attraktiver“, sagt Cornelia Lüddemann, Sprecherin für Mobilität für unsere Fraktion.

Wir fordern deshalb, so schnell wie möglich ein Pilotprojekt ins Leben zu rufen. Bereits in mehreren Bundesländern gibt es schon Teststrecken und wir wollen, dass Sachsen-Anhalt am Ball bleibt. Ein möglicher Ort wäre die Strecke zwischen Thießen, wo der Haltepunkt der Bahn geschlossen wurde und Jeber-Bergfrieden, wo sich nun der nächste Bahnhof befindet. Dort könnte ein automatisierter Bus dafür sorgen, dass Thießen regelmäßigen Anschluss an die Bahn wiederbekommt. „Da die Strecke etwa sechs Kilometer lang, wenig befahren ist, und es dort wenige Ampeln gibt, ist es besonders dafür geeignet“, erklärt Lüddemann.

Das Gutachten bestätigt, dass autonomes Fahren Realität wird, auch wenn es erst in 20 Jahren denkbar ist. Dennoch wird es einen großen Einfluss auf Jobs in der Mobilitätsbranche haben. „Bereits jetzt ist zu erkennen, dass Bus- und Bahnunternehmen unter Fachkräftemangel leiden, da junge Menschen, zu Recht, keine langfristige Perspektive zum Beispiel als Fahrer*in sehen“, sagt Lüddemann. Wartung und Service werden hingegen vor Ort stärker im Fokus stehen.

Für den Süden Sachsen-Anhalts bietet sich die Ansiedlung eines Innovations- und Kompetenzzentrums für autonomes Fahren an, insbesondere mit Blick auf den Strukturwandel in dieser Region. Wir fordern daher das Wirtschaftsministerium und das Verkehrsministerium dazu auf, aktiv zu werden. „Die Ansiedlung eines solchen Zentrums im Revier soll vorangetrieben werden, um hochqualifizierte Fachkräfte nach Sachsen-Anhalt zu lotsen. Der vom Bund geförderte Strukturwandelprozess bietet hierzu eine einmalige Möglichkeit“, so Lüddemann.

Autonomes Fahren hat auch das Potential, mehr Mobilität mit weniger Fahrzeugen zu ermöglichen. In ländlichen Regionen könnte die Anzahl von Fahrzeugen pro 1000 Einwohnerinnen und Einwohner von 700 auf 350 sinken, in den Städten sogar von 500 auf 150. „Dies hätte diverse positive Effekte wie weniger Stau, einfachere Parkplatzsuche, mehr Platz für Grünflächen, öffentliche Plätze und Spielplätze und mehr Sicherheit im Straßenverkehr“, erklärt Lüddemann. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen politische Entscheidungen jetzt getroffen werden, so das Gutachten. „Wir werden uns stark dafür einsetzen, dass schnell Gesetze für das autonome Fahren auf dem Weg gebracht werden. Das autonome Fahren bietet so viele Chancen für Sachsen-Anhalt, das dürfen wir nicht verschlafen. Das Gutachten ist für unsere Fraktion nur der Anfang und wir werden am Ball bleiben, dass alles in die konkrete Planung gehen kann.“

Gutachten des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin (WZB) zu „Autonomes Fahren im Öffentlichen Verkehr – Chancen, Risiken und politischer Handlungsbedarf“

Verfasser*innen: Prof. Dr. Andreas Knie, Dr. habil. Weert Canzler und Dr. des. Lisa Ruhrort von der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik.

 

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Ansprechpartnerin

Mathilde Lemesle
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Referentin für Pressearbeit und politische Kommunikation
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