Stopp Glyphosat – Glyphosatausstieg jetzt vorbereiten

 

Die Landwirtschaft versorgt uns mit hochwertigem Essen. Diese Leistung verdient hohe Wertschätzung. Doch zu häufig ist die Produktivität mit einem hohen Einsatz an Pestiziden wie Glyphosat erkauft. Pestizide töten Pflanzen, Insekten und Pilze. Lebensräume für Wildpflanzen und wildlebende Tiere gehen verloren. Die negativen Auswirkungen auf Artenvielfalt und Umwelt wie beispielsweise das Insekten- und Vogelsterben dürfen nicht länger akzeptiert werden. Wir setzen uns für eine Minimierung von Pestiziden ein. Das kann nur gelingen, wenn die Landwirtschaft auskömmlich bezahlt wird. Die Landwirtschaft der Zukunft produziert weniger intensiv, dafür besser und bekommt faire Preise.

 

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist ein sogenanntes Breitband-Herbizid und tötet damit alle behandelten Pflanzen, die nicht resistent sind, ab. Eingesetzt wird es in Deutschland und anderen Ländern ohne gentechnisch-veränderte Pflanzen, um Felder nach der Ernte oder vor der Aussaat von Unkräutern zu befreien oder vor der Ernte zur Beschleunigung des Reifens die Kulturpflanzen abzutöten (diese sogenannte Sikkation ist allerdings nur eingeschränkt zulässig). In Ländern, in denen gegen Glyphosat resistente gentechnisch-veränderte Pflanzen angebaut werden, werden diese Kulturpflanzen mit Glyphosat behandelt.

 

Wie schadet Glyphosat der Umwelt?

Durch immer intensivere Landwirtschaft und das flächendeckende Abtöten aller Pflanzen, die keine Kulturpflanzen sind, wird fast ein gesamtes Glied einer Nahrungskette zerstört. Insekten und Vögel finden so kaum noch Nahrung. Wir stellen einen dramatischen Rückgang an Insekten und Vögeln fest. Pestizide und somit auch Glyphosat sind starke Treiber für das Artensterben. Auch in Grund- und Oberflächenwasser gelangt Glyphosat durch Spraydrift, Oberflächenabfluss und Auswaschung. Es dauert dann zwischen 27 und 146 Tagen bis das im Wasser befindliche Glyphosat zur Hälfte abgebaut ist.

 

Sind Glyphosatrückstände für den Menschen gefährlich?

Die Ergebnisse einer Studie sorgten im März 2016 für eine große Berichterstattung. Von 2000 Menschen wurde der Urin untersucht und bei 99,6 Prozent konnten Rückstände von Glyphosat nachgewiesen werden. 75 Prozent hatten mindestens 0,5 Mikrogramm Glyphosat pro Liter Urin. Zwar sieht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) keine Gefahr für die Gesundheit, aber viele Menschen wollen schlicht und ergreifend kein Glyphosat in ihrem Körper. Und das ist auch ihr gutes Recht.

Die WHO hingegen stuft Glyphosat in einer Studie als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Die europäischen Lebensmittelsicherheits- und Chemiebehörden bestätigen diese Einschätzung nicht. Die wissenschaftliche Diskussion ist also noch nicht abgeschlossen. In unseren Lebensmitteln ist Glyphosat nachweisbar. Bisher unterschreitet es noch die Grenzwerte.  Die größte Belastung für die Gesundheit von Menschen ist der Glyphosateinsatz in den Gebieten in Südamerika in denen das Mittel großflächig und in großen Mengen auf gentechnisch-veränderten Pflanzen, die gegen Glyphosat resistent sind wie z.B. Soja, versprüht wird. Manche Dörfer werden regelrecht „eingenebelt“. Dort wird eine erhöhte Rate an Krebs und Fehlbildungen bei Kindern beobachtet.

 

Warum ist Glyphosat überhaupt zugelassen?

Im November 2017 wurde die Zulassung von Glyphosat für fünf weitere Jahre durch die EU-Mitgliedsstaaten beschlossen. Eine der entscheidenden Stimmen für eine Verlängerung der Zulassung war Deutschland in Person von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU). Dabei hielt er sich nicht an die Geschäftsordnung der Bundesregierung. Er hätte sich enthalten müssen, denn Bundesumweltministerin Hendricks (SPD) hat noch Stunden vorher bekräftigt, dass sie eine Zustimmung nicht mitträgt. Aufgrund der großen Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen sowie des hohen öffentlichen Drucks wird in fünf Jahren höchstwahrscheinlich „Schluss“ sein mit Glyphosat. Wer sich jetzt nicht darauf vorbereitet und bisher auf Glyphosat gesetzt hat, wird es in Zukunft schwer haben.

 

Was will die Fraktion für den Glyphosatausstieg tun?

Wir wollen den Glyphosateinsatz zügig reduzieren, in einigen Bereichen gar nicht mehr zulassen und die Landwirtschaft in einem Zeitraum von maximal 5 Jahren darauf vorbereiten, dass sie kein Glyphosat mehr nutzt.

Wir setzen uns dafür ein, dass der Glyphosateinsatz in Deutschland rechtssicher beendet wird.

Den Einsatz von Glyphosat auf Nichtkulturland, beispielsweise auf Industrie- und Gewerbeflächen, Bürgersteigen und Kinderspielplätzen, wollen wir unterbinden. Hierfür dürfen die Pflanzenschutzbehörden keine Ausnahmegenehmigungen mehr erteilen.

Wir wollen das Landeswassergesetz ändern, um die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln an Gewässerrandstreifen zu untersagen.

Wir wollen ein Verkaufsverbot von glyphosathaltigen Pflanzengiften im Handel wie Bau- und Gartenmärkten sowie im Internethandel erwirken, um die private Anwendung zu unterbinden.

Weiterhin setzen wir uns dafür ein, dass ein vollständiges Verbot der Vorerntebehandlung (Sikkation) mit glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln durchgesetzt wird.

An dem im Koalitionsvertrag festgeschriebenen Ziel von 20 Prozent Ökolandbaufläche arbeiten wir. Dafür muss die Förderung des Ökolandbaus ausgeweitet werden.

Wir wollen einen Leitfaden des Landes zur Reduzierung von Pflanzengiften. Hier sollen u.a. die Alternativen vorgestellt und für ihren Einsatz geworben werden.

Es braucht eine verbesserte Aus- und Weiterbildung der Landwirt*innen, um ohne beziehungsweise mit weniger Pestiziden zu arbeiten.

Wir wollen mehr Forschung an nicht-chemischem Pflanzenschutz und ein Kennzeichnungssystem bei Lebensmitteln, das über den Einsatz von Pestiziden bei der Herstellung der agrarischen Produkte informiert.

Ausführlichere Informationen zu unserer Strategie zur Pestizidreduzierung finden gibt es in unserem Positionspapier 'Pestizide reduzieren - Artenvielfalt und Ernährung sichern'.

 

Was gibt es für Alternativen zu Glyphosat?

Beispiele von Pestizid-Alternativen sind zum Beispiel mechanische Bodenbearbeitungsmethoden wie Striegeln, Grubbern und Pflügen, die thermische Unkrautbekämpfung oder umfangreiche Fruchtfolgen und der Anbau verschiedener Kulturen. Diese Alternativen müssen verstärkt angewendet werden. Darüber hinaus müssen Forschung und Entwicklung an nicht-chemischem Pflanzenschutz intensiviert werden. Die Digitalisierung bietet großes Potential für Präzisionstechniken wie z.B. mit Robotern, um den Einsatz von Pestiziden in der konventionellen Landwirtschaft massiv zu reduzieren. Das freut Umwelt, Verbraucherinnen und Verbraucher und die Landwirtinnen und Landwirte sparen das Geld für Pflanzengifte.