Industrielle Tierhaltung

Massentierhaltung
  • Artgerechte Tierhaltung
  • Klasse statt Masse
  • Ausrichtung an Umwelt- und Klimaschutz

    Studien, Gutachten, Positionspapiere

    Industrielle Tierhaltung in Sachsen-Anhalt

    Mit der Karte möchte die Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN das Ausmaß von großen Tierhaltungsanlagen in Sachsen-Anhalt transparent darstellen. Ziel ist es, zu informieren, woher das Fleisch kommt und wo und wie es in Sachsen-Anhalt produziert wird. Mit einer übersichtlichen Darstellung sollen die Menschen sensibilisiert und ihr Bewusstsein für industrielle Tierhaltung geschärft werden.

    Als Datengrundlage für die Erstellung der Karte diente die Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage zur Schweine- und Geflügelhaltung in Sachsen-Anhalt. Gefragt wurde nach Tierhaltungsanlagen, die nach Bundes-Immissionschutzgesetz (BImSchG) der Genehmigung bedürfen (ab: 560 Sauen, 1.500 Mastschweinen, 15.000 Legehennen, 15.000 Puten, 30.000 Masthähnchen). Die Kleine Anfrage finden Sie hier: Drucksache 6/2675

    Massentierhaltung

    Landkreis:
    Standort:

    Pressemitteilungen

    „Tierquälerei in Ställen endlich beenden“
    26.08.2016
    Zum ARD Bericht „Massentierhaltung im ‚Schweinehochhaus‘: Amtlich verordnete Tierquälerei?“ äußert sich Dorothea Frederking, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion: 
    Themengebiete:
    „Lückenhaftes Bundesgesetz“
    28.06.2016
    Das Recht auf ein Konto – in Deutschland seit Jahrzehnten eine Forderung auch von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN. Die EU verpflichtete 2014 ihre Mitgliedsstaaten dazu, dieses Recht umzusetzen. Der Bundestag beschloss dementsprechend das... 
    Themengebiete:
    „Nachhaltigen Konsum ermöglichen“
    24.06.2016
    „Gutes Essen braucht Natur. An einer Agrarwende führt von daher kein Weg vorbei“, sagt die Vorsitzende der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag von Sachsen-Anhalt, Cornelia Lüddemann. 
    Themengebiete:
    „Haltungsbedingungen an Bedürfnisse der Tiere anpassen“
    29.01.2016
    Statements der landwirtschaftspolitischen Sprecherin der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Dorothea Frederking, im Rahmen der heutigen Debatte über den bündnisgrünen Antrag, mit dem der Ausstieg aus dem Kürzen der Ringelschwänze bei... 
    Themengebiete:
    Durchbruch für mehr Tierschutz bei Schweinen
    25.11.2015
    Gestern entschied das Magdeburger Oberverwaltungsgericht (OVG) zur Frage der Beschaffenheit und Breite von Kastenständen in der Sauenhaltung. Die DEMVA GmbH in Klein Demsin, die zur Unternehmensgruppe von Adrianus Straathof gehört, hatte in... 
    Themengebiete:
    „Kostendeckende Gebühren für Kontrollen in den Ställen“
    04.06.2015
    Bessere tierschutzrechtliche Kontrollen und ausreichend qualifiziertes Personal in den Ställen – das fordert die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Schutz von Nutztieren. „Tierschutzrechtliche Vorgaben in Gesetzen und Verordnungen reichen... 
    Themengebiete:

    Weitere Infomationen

    Logo: Tierhaltung: Klasse statt Masse
    Nutztierhaltung neu denken

    Was bedeuten die Begriffe auf der Karte?

    Bundesimmissionsschutzgesetz

    Tierhaltungsanlagen ab 1.500 Mastschweinen oder 30.000 Masthühnern müssen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) genehmigt werden. Zweck dieses Gesetzes ist es, Menschen, Tiere und Pflanzen, den Boden, das Wasser, die Atmosphäre sowie Kultur- und sonstige Sachgüter vor schädlichen Umwelteinwirkungen zu schützen und dem Entstehen schädlicher Umwelteinwirkungen vorzubeugen.

    Schweinemast

    System zur Produktion von Schweinefleisch. 25-28 kg schwere Ferkel werden nach der Aufzucht bis zur Schlachtreife von 110 bis 125 kg gemästet. Eine Tageszunahme von 850 g pro Schwein wird in der Industriellen Tierhaltung angestrebt. Dafür benötigen die Schweine eiweißhaltiges Futter. Hierbei gilt Soja als wichtigster Eiweißlieferant. Soja wird vor allem in Südamerika angebaut und gilt wegen der Nutzung gentechnisch veränderter Sojasorten und der Abholzung von Regenwaldflächen als problematisch.

    Spaltenboden

    Der Boden besteht aus Balken. Die schmalen Spalten dienen als Durchlass für Kot und Harn.

    Teilspaltenboden

    Der Bereich zum Koten und Urinieren ist mit Spaltenboden ausgestattet. Fress- und Liegebereiche sind zum Beispiel mit Stroh eingestreut.

    Vollspaltenboden

    Der gesamte Bereich, also Fress-, Liege- und Laufbereich, ist mit Spaltenboden ausgestattet.

    Gruppenbuchten

    Eine Gruppenbucht muss eine Mindestseitenlänge von 280 cm bzw. 240 cm haben, wenn die Gruppe aus weniger als sechs Sauen besteht. Die Mindestbodenfläche pro Sau bzw. Jungsau in der Gruppenbucht ist von der Gruppengröße abhängig:

     

    Fläche in Quadratmetern (m²)

    Gruppengröße

    Bis 5 Tiere

    6-39 Tiere

    Ab 40 Tiere

    Je Jungsau

    1,85

    1,65

    1,5

    Je Sau

    2,5

    2,25

    2,05

    Einstreu

    Langstroh, Strohhäcksel oder Hobelspäne können, als Einstreu, den Schweinen auch als Beschäftigungsmaterial dienen. Es ist auf ein ständiges Angebot und ausreichende Ausbringungsmenge der Materialien zu achten.

    Abferkelboxen

    Sauen werden in Kastenständen mit eingebautem Futtertrog und Ferkelschutzkorb gehalten, wenn sie schwanger sind. Der Ferkelschutzkorb soll ein Erdrücken der Ferkel vermeiden. Neben dem 55-65 cm breiten Liegebereich der Sau befindet sich der 60-80 cm breite Aufenthaltsraum der Ferkel. Auf der anderen Seite befindet sich ein ca. 40 cm breiter Fluchtbereich für die Ferkel.

    Güllehaltung

    Die Tiere werden strohlos auf Betonspaltenboden gehalten, wodurch ein Kot- und Harndurchtritt gewährleistet werden. Unterhalb des Spaltenbodens befinden sich Güllewannen. In den Güllewannen sammelt sich die anfallende Gülle. Diese wird in regelmäßigen Abständen abgelassen, um die Schadstoff-Emissionen im Tierbereich niedrig zu halten. Aus den Wannen läuft die Gülle in Gruben und wird später in Güllebehälter gepumpt.

    Tiefstreu

    Fressbereich und Liegefläche sollten nach Möglichkeit einen Höhenunterschied aufweisen. Dieser ist abhängig vom geplanten Entmistungsintervall, also davon, wie hoch die Mistmatratze im Zuge des regelmäßigen Einstreuens anwachsen kann. Im Winter ist eine ausreichend hohe Mistmatratze wegen der Wärmeentwicklung bzw. Isolierung vorteilhaft für die Tiere. Bei hohen Außentemperaturen im Sommer kann dagegen die Wärmeabgabe der Tiefstreu den Organismus der Sauen zusätzlich belasten.

    Perforierte Gummimatten

    Zu den häufigsten Ursachen für Merzungen (gezielte Selektion von Tieren mit unerwünschten genetischen Eigenschaften und Verhinderung der Paarung) und für Sterblichkeit in der Sauenhaltung zählen neben Reproduktionsstörungen haltungsbedingte Schäden am Bewegungsapparat der Tiere, wie Klauen- und Gelenkschäden. Speziell während der, durch die Schweinehaltungsverordnung vorgeschriebenen, Gruppenhaltung tragender Sauen treten infolge von Rangkämpfen und Auseinandersetzungen auf Spaltenböden häufig Verletzungen der Klauen und Gelenke auf. Eine Optimierung der Haltungsbedingungen könnte somit speziell in diesem Bereich einen Beitrag zur Verbesserung des Tierkomforts und der Tiergesundheit leisten und letztendlich zu einer Steigerung der Wirtschaftlichkeit in der Ferkelerzeugung führen. Im Bereich Rinder- und Milchviehhaltung zeigen zahlreiche Untersuchungen, dass eine Befestigung von elastischen Gummimatten mit passgenauen Schlitzen über den Spaltenböden das Verletzungsrisiko verringert und aufgrund einer verbesserten Trittsicherheit deutlich weniger Klauenprobleme auftreten als in Ställen mit herkömmlichen Spaltenböden.

    Festmist

    Festmist ist ein stapelbares Gemisch aus Kot, Harn und Einstreu. Ein Teil des Harnes wird durch die Einstreu gebunden. Als Festmist gilt auch Geflügelmist mit nachweislich hohem Einstreuanteil (Tiefstreu) und Stickstoff-Gehalten unter 11 kg Stickstoff/t Frischmasse.

    Flüssigmist

    Gülle (Flüssigmist) ist ein Gemisch aus Kot und Harn von Rindern, Schweinen oder anderen landwirtschaftlichen Nutztieren, das außerdem Wasser (Reinigungswasser, Niederschlagswasser etc.), Futterreste und Einstreu enthalten kann.

    Volierenhaltung

    Die Tiere können flatternd und fliegend Sitzstangen und die verschiedenen Ebenen der Volierenblöcke erreichen. Die Aktivitäten der Hennen sind so auf verschiedene Zonen des Stalles aufgeteilt, das heißt Trinken, Fressen und Schlafen bzw. Ruhen erfolgen in verschiedenen Bereichen des Volierenblockes.

    In der Volierenhaltung kann grundsätzlich unterschieden werden in Systeme, bei denen die Blöcke mit der ersten Ebene auf dem Stallboden stehen und solchen, die erhöht über dem Stallboden aufgebaut sind. Bei letzteren Systemen kann die gesamte Nettostallgrundfläche den Tieren als Scharraum zur Verfügung gestellt werden, was einen ungehinderten Wechsel von einer zur anderen Stallseite ermöglicht.

    Ferner ist zu unterscheiden zwischen "geschlossenen Systemen", die von außen über Anflugstangen oder Anflugplattformen erreicht werden und "offenen Systemen", in denen die Tiere innerhalb des Volierenblockes zwischen den Ebenen wechseln können.

    Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Begehbarkeit des Volierenblockes. Seit dem Jahr 2000 werden vermehrt auch Kompaktanlagen angeboten. Diese Volieren zeichnen sich dadurch aus, dass die Volierenlaufebenen und Nestanlage in einem Block sind und der Tierbetreuer in der Längsachse einen begehbaren Kontrollgang hat.

    Die Anzahl der Etagen in den Volierenblöcken variiert sowohl zwischen den einzelnen Systemen als auch innerhalb des Systems. Dies ermöglicht eine Variation der Besatzdichte und der Art der räumlichen Trennung der Ruhe-, Fress- und Trinkzonen. Die Blockbreiten variieren zwischen 1,4 bis zu 2,8 Meter. Die Volierensysteme werden von den Firmen ständig weiterentwickelt, so dass immer wieder neue Varianten auf den Markt kommen. Einige übliche Systeme werden im Folgenden exemplarisch dargestellt.

    Bodenhaltung

    Die Bodenhaltung ist artgerechter als die Kleingruppenhaltung und kostengünstiger als die Freilandhaltung. Aber auch in der Bodenhaltung leben die Hühner auf engstem Raum. Bis zu neun Hennen drängen sich je Quadratmeter Stallfläche und bis zu 6.000 Hennen in einem Stallabteil. In dieser Haltungsform können die Hennen mit Einstreu und Nestern Verhaltensweisen wie Staubbaden und spezielle Gefiederpflege ausüben.Wegen der Enge und fehlender Beschäftigungsmöglichkeiten kommt es allerdings zu Federpicken und Kannibalismus. Deshalb wird den Junghennen der scharfe Schnabel gekürzt. Tastsinn und Gefiederpflege werden stark eingeschränkt.

     

     

    Freilandhaltung

    Die Freilandhaltung kommt einer artgerechten Tierhaltung nahe, denn jedes Huhn hat mindestens 4 m² Auslauf im Freiland. Die Besatzdichte im Stall darf neun Hennen/m² nicht überschreiten. Aufbaumen und Scharren sind möglich, Nester für ungestörte Eiablage sind vorhanden.

    Kleingruppenhaltung

    Die Legehennen werden oft in Kleingruppen gehalten. Seit 2010 ist es zwar verboten, Legehennen in Käfigen zu halten. Doch die erlaubte Kleingruppenhaltung stellt kaum nennenswerte Vorteile gegenüber der Käfighaltung dar. So standen einer Legehenne im Käfig 500 cm² Platz zur Verfügung. In der Kleingruppenhaltung, die oft auch als Kleinvolierenhaltung bezeichnet wird, stehen jeder Legehenne 800 cm² zur Verfügung. Das ist kaum mehr als ein DIN A4 Blatt, das 623,7 cm² misst. Damit müssen sich 12,5 Legehennen auf 1 m² begnügen.

    Die Tiere werden auf engstem Raum zusammengepfercht. Ein artgerechtes Verhalten ist für die Hühner nicht möglich. Die Hühner können in Gruppen dieser Größe keine stabile Rangordnung mehr herstellen und reagieren aggressiv. Beim Federpicken reißen sich die Hennen gegenseitig die Federn aus und hacken dann immer wieder auf die blutenden Stellen ein

    Besatzdichte

    Alle Angaben entsprechend Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV).

    • Legehennen (Bodenhaltung: 9 Legehennen auf 1 m², Kleingruppenhaltung: 12,5 Legehennen auf 1 m² (1 Legehenne auf 0,08 m²)
    • Masthühner: 25 Tiere bzw. max. 39 kg/m²
    • Schweine (Mastschweine: 30-50 kg = 0,5 m², 50-110 kg = 0,75 m², über 110 kg = 1,0 m², Sauen: Gruppengröße bis 5 Sauen = 2,5 m² pro Sau, Gruppengröße 6 - 39 Sauen = 2,25 m² pro Sau, über 39 Sauen = 2,05 m² pro Sau)


    Für Puten sind nach einem Forschungsbericht des Bundesministeriums für Ernährung Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV, 2012) folgende Besatzdichten praxisüblich:

    • Hennen: 52 kg/m²
    • Hähne: 58 kg/m²


    Wir lassen die Sau raus!

    Aktion: Wir lassen die Sau raus!

    Mit einem riesigen aufblasbaren Schwein machte die bündnisgrüne Landtagsfraktionen vor dem Landtagsgebäude auf den Antrag „Tierquälerische Haltungsbedingungen für Sauen beenden und Ferkeltöten verbieten" aufmerksam. Die Aktion stand unter dem Motto „Wir lassen die Sau raus". Konkret fordern wir in dem Antrag größere Kastenstände für Sauen und ein Verbot von Ferkeltötungen.




    Weiterführende Links

    Bürgerinitiativen in Sachsen-Anhalt